
Im Gleichschritt sammeln der FCB und die Young Boys Punkte im Meisterrennen; die einen mit mehr, die anderen mit weniger Mühe. rotweiss-Redaktor Michael Martin setzt die Brille auf.
Die schlechte Nachricht für die Berner Young Boys: Nach vier gespielten Partien und dem 0:4 zu Beginn der Frühlingsrunden ist ihr Torverhältnis noch immer negativ; nämlich 6:7. Die gute Nachricht – oder sollte man sagen: die sehr gute Nachricht – ist jedoch, dass drei 2:1-Siege in Folge jene neun Punkte gebracht haben, die den Vorsprung auf den weiterhin makellosen FC Basel bei vier Punkten haben einpendeln lassen. Der FCB ist also weiterhin nicht in Schlagdistanz. Oder um es mit den Worten des maladen Angreifers Alex Frei zu halten: Der Tiger aus Basel sitzt noch immer im Käfig und muss warten, bis ihm das schöne Stück Fleisch ein bisschen weiter näher an die Pranken fällt.
Den Bernern zu Gute kommt in diesen Wochen, dass Fussball eine Sportart ohne B-Note ist. Sämtliche künstlerischen Eindrücke spielen keine Rolle, es zählt das nackte Resultat, und selbst Bernard Challandes kann seinen kleinen Gummi-Fussball so sehr kneten, dass ihn die Handgelenke schmerzen: Tor ist Tor, selbst wenn die Hand Doumbias bei der Vorbereitung des 2:1 so sehr im Spiel war, dass der vereinseigene Verfasser der ansonsten umfassenden YB-Matchberichte besser nichts davon erwähnt… Ein bisschen Schweigen macht auch Sinn, denn wer so gewinnt, ist schon oft Meister geworden – wenngleich vor Jahresfrist YB ebenfalls mit einer Serie von 3:2-Siegen ins neue Jahr gestartet war und am Ende doch dem FCZ den Vortritt lassen musste.

Wer lacht zuletzt: YB oder der FC Basel?
Zurück zum hier und heute: Neun Punkte sind und bleiben neun Punkte, auch wenn nach der Pleite in Basel zum Auftakt der Sieg gegen den FC Luzern glückhaft war. Auch wenn das 1:0 der Berner in St. Gallen aus einer beeindruckenden Offside-Position heraus erzielt wurde. Und auch wenn der Last-Minute-Sieg gegen die abstürzenden Champions aus Zürich nur dank besagtem Händevergehen des ivorischen Angreifers zustande kam. Irgendwann einmal, so müssen sich die Gegner sagen, wird das Glück der Maya-Bienen ein Ende haben. In jedem Fall hat YB nach 22 Runden schon einen guten Teil aus Fortunas Füllhorn beansprucht, um dort zu stehen, wo man noch immer steht.
Am nächsten Wochenende geht die Treibjagd munter weiter: Die Basler, die dank der Treffsicherheit ihres Australo-Emmentalers Scott Chipperfield auch einen Ausfall von Alex Frei fürs Erste kompensiert haben, empfangen am Samstag die Grasshoppers, die erstmals seit dem 7. Februar (!) wieder zu einem offiziellen Fussballspiel antreten dürfen. Und die Young Boys müssen tags danach in Neuenburg nachziehen, wobei sich diesmal vielleicht weniger die Frage stellt, ob die zwei traditionellen Berner Tore reglementskonform erzielt werden, sondern vielmehr diejenige, wer denn bei Xamax überhaupt noch in der Lage ist, das Runde ins Eckige zu treten.
Ideye Brown, der beste Neuenburger Angreifer der Vorrunden, strampelt mittlerweile mit Sochaux gegen den Abstieg (am Wochenende erhielt er beim 0:1 gegen Lorient die schlechteste Note), und Mario Gavranovic wartet bei Schalke weiterhin darauf, wenigstens mal auf die Ersatzbank sitzen zu dürfen. Das ist auch so eine Geschichte in dieser Axpo Super League, die momentan aber zu einem grossen Teil vom Fernduell an der Spitze lebt. Vermutlich verdient dieses Duell so viel Aufmerksamkeit, dass am Sonntag Massimo Busacca nach Neuenburg geschickt wird…
Diese Ansetzung sollte Bernard Challandes aber weniger interessieren als die Tatsache, dass der Rückstand auf den FC Luzern vor dem direkten Aufeinandertreffe am nächsten Wochenende schon heute 13 Punkte beträgt. So stehen die Innerschweizer im Schatten des Meisterkampfs schon fast vor der Frage, in welchem Stadion sie in der kommenden Saison im Europacup spielen sollen. Die neue Autobahn nach Zürich legt die Antwort ziemlich nahe, falls der Letzigrund im kommenden Sommer noch stehen wird.