
Die Axpo Super League hat ihr erstes überraschendes Wochenende des Jahres 2010 erlebt. Interessant ist, dass auch im Ausland die Top-Clubs patzten. rotweiss-Redaktor Michael Martin setzt die Brille auf.
Vielleicht sollten wir Madame Etoile fragen oder den kauzigen Mike Shiva, der uns jeweils zu erschrecken pflegt, wenn wir mal wieder kurzzeitig vor dem Fernseher eingenickt sind. In jedem Fall: Wir suchen nach einer Erklärung dafür, dass just in dem Moment alles anders gekommen ist im Schweizer Fussball, als wir uns bereits mit einer gewissen Monotonie abgefunden hatten. Die Rede ist hier nicht vom FC Zürich, der in seinem an Krücken gehenden Letzigrund den FC Luzern besiegt hat, sondern von den beiden verbliebenen Titelkandidaten FC Basel und YB, die an diesem Wochenende gegen die Grasshoppers respektive Xamax ins Straucheln geraten sind.
Nun denn, der „Blick“ mag das angebliche Understatement des Trainerfüchsleins Ciriaco Sforza bejubeln, und beim FC Basel mögen sie sich Gedanken machen, warum ausgerechnet Ref Nicolaj Hänni (einer aus dem Bernischen) den FCB arbitrierte – doch am Ende sollten die Rot-Blauen nicht danach fragen, woher der Unparteiische kam, sondern was ihr argentinischer Flatter-Goalie Franco Costanzo in diesen 90 Minuten im Schilde führte. Und man könnte sich allen selbst vergeigten Chancen zum Trotz als Mieter beim Vermieter Basel United informieren, warum die angeblich installierte Rasenheizung es nicht schaffte, die Spielwiese vom Schnee zu befreien. Das seifig-rutschige Weiss behagte den Baslern, die nach dem frühen 0:1 das Spiel machen mussten, gar nicht. Offenbar, so sickerte durch (nicht das Tauwasser, sondern das Gerücht…), habe man die Heizung nicht mit voller Kraft anwerfen können, weil sonst die Rasenwurzeln Schaden davongetragen hätten. Meisterlich, diese Geschichte.

Überraschende Ergebnisse gab es am Wochenende nicht nur in der Schweiz.
Der FC Basel also hat durchaus Anhaltspunkte, warum er gegen GC verlor. Die Fragen der Young Boys hingegen dürften tiefer gehen. Warum hatten wir keine richtig gute Torchance gegen einen Widersacher, der zuletzt zehn Mal in Folge nicht hatte gewinnen können? Warum zieht sich Seydou Doumbia zurück, wenn der Gegner mal nicht zurückzieht (mit dem Fuss)? Wo ist die Spielfreude in der Offensive geblieben? Warum blieb der Wunsch, die Vorlage des FC Basel zu den eigenen Gunsten nutzen zu können, ein frommer, aber nicht erkennbarer?
Vielleicht, und damit wären wir wieder am Anfang der Geschichte, müsste man wirklich Madame Etoile befragen, was an diesem Wochenende im Fussball so alles passiert ist in den Sternen. Denn YB und der FCB waren nicht die einzigen Stolperi in den letzten Tagen. In Italien kam Inter gegen Genua nicht über ein 0:0 hinaus (auch die AC Milan blieb sieglos). In Frankreich kassierte Leader Bordeaux gegen Montpellier noch ein unerklärliches 1:1. In Spanien verlor Barcelona seine Leaderposition nach einem 2:2 in Almeria, was eine nordafrikanisch geprägte Hafenstadt in Andalusien ist, die auf Schwemmland des Rio Andarax gebaut ist (für diejenigen, die sonst eher Lionel Messi kennen…). Auch in Österreich verlief vieles anders: Die Angestellten des Getränkeherstellers Red Bull aus Salzburg erreichten gegen Wiener Neustadt ein 1:1, und Verfolger Rapid kam gegen den Kapfenberger SV über ein 2:2 nicht hinaus.
Bleibt noch der Blick nach Deutschland, wo der 1. FC Nürnberg wenig überraschend gegen Leverkusen zwei Tore kassierte, aber selber deren drei schoss (es war die erste Niederlage des mehrmonatigen Leaders überhaupt). Profiteur wurde so der FC Bayern, der in Köln bei einem 1:1 Punkte verschenkte.
Haken wir das Wochenende also unter dem Motto gesamteuropäische Fussball-Betriebsunfälle ab. Nächste Woche wird bestimmt alles anders. Basel spielt in Luzern, und YB empfängt den FC Sion im Stade de Suisse. Oder sollen wir doch Mike Shiva anrufen…?