Mixed Zone

Und auf welchen Terrains spielen wir?

Die Axpo Super League lebt an der Spitze weiter von ihren beiden Synchronschwimm-Teams aus Bern und Basel – und die Qualität des Spiels leidet unter den Arbeitsbedingungen für die gut bezahlten Arbeitnehmer. Muss das so sein? Fragt rotweiss-Redaktor Michael Martin und setzt die Brille auf.

Erinnern Sie sich noch an die Schweizer Schattenmeisterschaft früherer Tage? Als die Clubs sich für Lizenzen im bezahlten Schweizer Fussball, also in der damaligen Nationalliga, bewerben mussten und gewisse dunkelgraue Schafe unter ihnen mit allerlei Tricks die Bilanzen so auf Vordermann brachten, dass man meinen könnte, ihre Verantwortlichen würden tatsächlich Ausgaben und Einnahmen am Ende der Saison miteinander verrechnen können. Das war eine spannende Zeit – auch für die damaligen Sachbearbeiter von Schweizer Banken, die sich womöglich darüber wunderten, dass sie Geld vom einen Konto wieder auf ein anderes schieben mussten, nachdem es eine Woche zuvor noch den umgekehrten Weg genommen hatte.

 

Solcherlei Gebaren hat die Swiss Football League mit einer strengeren Reglementierung des Lizenzverfahrens Einhalt geboten. Ab und zu hören wir noch die Grasshoppers, die mit ihrem treuen Geldausgeber Erich Vogel mal wieder für kreativ gestaltete Budgets sorgen, die dann Urs Linsi mit dem Portemonnaie von Heinz Spross wieder bereinigen darf. Ein paar Millionen fehlen. Aber sonst geht’s den Hoppers gut. Sie werden uns demnach erhalten bleiben wie auch der FC Sion vermutlich, bei dem man zwar vermutlich nicht alles weiss. Aber CC wird’s schon richten. So wie der FC Basel, der seinen 50-Millionen-Franken-Haushalt letztlich auch wieder reglementsgerecht in die Bücher kriegen wird. Und sei es mit der Hilfe von Oben. Also mit der Präsidentin.

 


Sorgt für Diskussionsstoff: Der Rasen in den Schweizer Stadien.


Das nächste Reglement, über das wir nachdenken müssten, wäre – allen harten Wintern zum Trotz –  eines über die Qualität der Terrains im bezahlten Schweizer Fussball. Da freuen wir uns über wirtschaftlich stabiler geführte Clubs und über neue Stadien – und wir müssen uns jedes Wochenende darüber wundern, in welch erbärmlichem Zustand die Mehrheit der Spielplätze sind. Es mag ja sein, dass der Schweizer Fussball nicht so schlecht ist im Vergleich mit dem Ausland, dass gute Spiele in der Axpo Super League nur darum nicht wie Bundesligapartien rüberkommen, weil sie medial nicht gleich aufgemacht sein können. Aber wer durch die Ligen Europas zappt, der findet nirgends einen Platz, der so aussieht wie derjenige in der Gersag-Arena zu Emmenbrücke – und Winter war nicht nur in der Zentralschweiz. Der Verdacht liegt also nahe: Wieso Geld ausgeben für Rasen? Wir kriegen ja bald ein Kunstrasen-Stadion – sollte das die Antwort sein, wäre es schon grotesk, sich Techniker wie Hakan Yakin und Davide Chiumiento zu leisten, deren Vorzüge zu Hause noch weniger zur Geltung kommen als auswärts.

 

Aber Luzern ist nicht alleine auf der Liste der nationalen Holperwiesen. In Sion ist das Tourbillon-Geläuf gemessen an seinem Sandgehalt näher an der Sahara als an Walliser Wiesen anzusiedeln. In Basel wurde der FCB von seinem Terrain benachteiligt, weil man im Spiel gegen GC die Rasenheizung nicht mit voller Kraft gegen den Schnee vorgehen liess. In Neuenburg fehlt offenbar das Geld für das Granulat, das es für das Spiel auf dem Kunstrasen braucht (viele Spieler beklagen, der Platz sei viel zu hart und kaum mehr zu spielen). Und in Bern denken sie mittlerweile doch über einen neuen Teppich nach, weil der noch immer aktuelle irgendwo zwischen den grünen Matten, mit denen unsere Vorfahren die Balkonböden „naturalisierten“, und den modernen Kunstrasen anzusiedeln ist.

 

Den Anforderungen an bezahlten Fussball gerecht (im Sinn auch des zahlenden Kunden, der keine Slapstick-Einlagen sehen will) werden eigentlich nur die Terrains in Zürich – und Aarau. Im Letzigrund verwundert das nicht, zumal das Stadion eine unfreiwillig längere Winterpause hatte. Es bleibt nun abzuwarten, ob die Stützen nicht nur den Zuschauern die Sicht auf das Geschehen rauben, sondern auch den Sonnenstrahlen… Im Ernst: Zürich zeigt, dass man mit einem gewissen Aufwand für die Spielwiese auch den Angestellten, die auf ihr Erfolg haben sollen, etwas Vernünftiges bieten kann. Bleibt noch Aarau, wohin die Gäste mittlerweile lieber reisen als auch schon. Nicht nur gibt es heute mehr Punkte zu holen als früher. Auch Fussball spielen lässt es sich ordentlich gut auf dem Brügglifeld, wo die Sonne keine Probleme hat, über die Zipfel der Gartenzwerge aus den benachbarten Einfamilienhäusergärten zu scheinen. Es sieht nur leider so aus, als dürften sich bald die Clubs in der Challenge League auf Spiele in Aarau freuen.

Erstellt Montag, 15. März 2010 10:27 von Axpo Super League

Kommentare:

 

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Juli 26, 2010 10:15

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