Mixed Zone

  • Schade, ist Hakan kein Jüngling mehr



    So, jetzt ist Pause in der Axpo Super League. Und wir verlieren alle einen, den wir nicht verlieren wollen: Hakan Yakin. rotweiss-Redaktor Michael Martin setzt die Brille auf.

     

    Der Auftakt war fulminant gewesen. 18 Sekunden erst stand Hakan Yakin nach seiner Einwechslung auf dem Platz, als ein Flankenball von links in die Mitte segelte, wo der Münchensteiner schon ungeduldig wartete, um mit dem Kopf den Angriff erfolgreich zu beenden. Das war am 12. April 1995 – und es war das erste Spiel des damals juvenilen Hakan Yakin in der höchsten Schweizer Spielklasse. Der Gegner hiess Lausanne-Sports, eingewechselt wurde „Yakin, der jüngere“ für Alexandre Rey, und die Flanke kam im alten St. Jakob-Stadion von Dario Zuffi. Es war dies die erste Ballberührung Hakans als Profi gewesen(!), und es war das 3:0 gegen die inferioren Lausanner. Am Ende gewann der FCB mit 5:0.

     

     

     

     

    18 Jahre alt war „Hatsch“ damals, er ist – in Fussballer-Generationen gerechnet – heute gleichsam der Grossvater der Shaqiris und Xhakas. Und das Spiel gegen Lausanne war der Auftakt zu einer ungemein bewegten Karriere, die am Sonntag ihre Abschlussvorstellung in der Axpo Super League erlebte. Und im Unterschied zu den Anfängen war es kein gutes Wochenende für Hakan Yakin. Nicht nur, weil er mit dem FC Luzern verlor und dabei noch einen Penalty verschoss (was nur den FC Basel freute…), sondern auch,weil gleichzeitig die AC Bellinzona den wegweisenden Spitzenkampf in der Challenge League gegen den FC St. Gallen mit 0:1 verlor.

     

    So ist der Rückstand der Tessiner auf die Ostschweizer schon beträchtlich gross (neun Punkte), wenn der einstige Genius der Schweizer Nationalmannschaft seinen Sechsjahres-Vertrag in Bellinzona antritt. 35 Jahre alt wird „Hakan, der nicht mehr ganz so junge“ im kommenden Februar, und seine Bühne wird dann nicht mehr die SwissporArena oder der St. Jakob-Park sein, sondern die Stadien in Wohlen, Will und Winterthur. Selbst der „SonntagsBlick“ wird nur in den ersten Runden grössere Geschichten bringen, und ohne auf den Sonnenkanton jemals verzichten zu wollen: Wenn Hakan Yakin hinter dem Gotthard Fussball spielen wird, hat das etwas vom nächsten Abenteuer. Auch sprachlich, wenngleich man statt „Arrivederci“ ja auch „Ciao“ sagen kann.

     

    So weinen wir Hakan Yakin also eine letzte Axpo-Super-League-Träne nach und nehmen Wetten an, ob er erstens in Bellinzona all die Jahre absitzen wird und ob er zweitens mit den Tessinern vielleicht doch noch die Rückkehr ins Oberhaus schaffen wird. Denn hinter dem FC St. Gallen wird es so richtig spannend in der Challenge League.

     

    Gleiches lässt sich auch für Platz 2 in der Axpo Super League behaupten, wo der FC Basel mittlerweile selbst dann zu den Gewinnern der Runde zählt, wenn er für einmal nicht gewinnt. Die Konkurrenz hat am letzten Wochenende im 2011 noch mehr geschwächelt als der FCB, der trotz dem Mittwochsknüller gegen Manchester United nach dominanter Leistung (vor allem nach der Pause) auch in Neuenburg hätte gewinnen müssen. Die Wochen nach Thorsten Finks Abgang werden als die erfolgreichsten in die Geschichte des Vereins eingehen, und so ist es kein Wunder, dass Heiko Vogel nun die Beförderung auf den Chefsessel erfuhr.

     

    29 Millionen Franken wird der FC Basel mindestens kassieren für seine Champions-League-Kampagne 2011/2012. Von solchen Dimensionen kann der Rest der Liga nur träumen. Aber immerhin profitieren alle von den Koeffizienten-Punkten, die der Branchenleader fleissig sammelt. 2013 dürfen so wieder zwei Schweizer Teams an der Qualifikation für die Champions League mitwirken (nächstes Jahr wird es nur eines sein). Und so wird der Vorzeigeverein aus Basel bestimmt auch weiterhin eine ideale Adresse für die besten junge Schweizer Fussballer sein, um noch ein Weilchen in der Heimat zu verweilen, bevor das Ausland lockt. Rückblickend auf die letzten fast 17 Jahre gibt es für Hakan Yakin also nur etwas, was es so richtig zu bedauern gilt: Es ist schade, dass er schon 1995 jung war und es heute nicht mehr sein darf. „Hakan, der junge“ hätte es in der Champions League bestimmt so richtig krachen lassen mit den Shaqiris und Xhakas. Also denn: „Arrivederciao, Hatsch!“

     

  • Materialkunde

     

    Die Axpo Super League bildet mit ihren zehn Teams zwar eine Einheit, doch hinterlässt sie in diesen Tagen und Wochen einen ziemlich heterogenen Eindruck. rotweiss-Redaktor Michael Martin setzt die Brille auf.

     

    Es war kein Wochenende der grossen Überraschungen, das in der Axpo Super League hinter uns liegt. Der Erste hat gewonnen, der Letzte wieder einmal verloren, und selbst die beiden Siege der Zürcher Clubs dürfen als realitätskonform abgebucht werden, wenn man die Stärkeverhältnisse als Basis der Urteilsfindung nimmt und nicht die Resultate der vergangenen Wochen. Interessanter als die Ergebnisse ist in diesen Wochen eher schon die Zusammensetzung der höchsten Schweizer Spielklasse. Selten schien sie heterogener zu sein als heute – und so lohnt sich der Blick in die Materialkunde.

     

    Gras

     

    Auf Wiedersehen, elender Kunstrasen! So werden viele denken, denen das seltsam künstlich-Grüne im Stade de Suisse schon immer ein natürlicher Dorn im Auge gewesen ist. Nun aber ist Schluss mit Plastik. Die Re-Naturierung beginnt, und vielleicht treffen die Young Boys im Kampf gegen ihr Beamtenfussball-Image auf einer neuen Wiese wieder besser ins Tor. Womit wir bei Punkt 2 wären.

     

     

     

     

     

    Plastik

     

    Christian Gross hat sich in den vergangenen Stunden nicht nur über den Vorwurf des Beamten-Fussballs ärgern müssen, den seine Gelb-Schwarzen ablieferten. Mächtig in Rage geriet er auch über den Ton aus der Schiedsrichterpfeife, als Morenos Kopfballtor wegen eines Fouls an Goalie Vanins mit Signalhilfe des Plastikinstruments verweigert wurde. So blieb es beim 1:1 und zwei weiteren verlorenen Punkten auf den FCB. Mit seinem Ärger ist Gross nicht alleine auf der Welt. Im „Hinspiel“ im Wallis war dem FC Sion gegen YB Sekunden vor Schluss ein Kopfballtreffer Giovanni Sios zum 2:2 aberkannt worden – zu Unrecht, wie die TV-Bilder ergaben. So rettete YB zum Verdruss von Laurent Roussey das 2:1 über die Runden. Noch ausstehend ist die „Wiedergutmachung“ für den FC Luzern für einen nicht gegebenen Penalty in Basel. Ebenso hat der FCB aus dieser Saison noch etwa vier „Offsidetore“ auf der Soll-Seite.

     

    Beton

     

    Wir bleiben im Wallis, verlassen aber den Rasen in Richtung Kopf des Präsidenten. Lange Zeit hat Christian Constantin gewisse Sympathien für sein renitentes Verhalten gegenüber den Fussball-Obrigkeiten erhalten. SFL-Direktor Edmond Isoz sah sich sogar gezwungen, CC den Status als „Winkelried“ aberkennen zu müssen. Die Hoffnung auf Einsicht ist vermutlich eher unberechtigt. Der „Betonschädel“ aus Martigny geht weiter mit dem Kopf durch die Wand. In Bern spielte der FC Sion unter Protest, in Frankreich liegt eine Klage, ebenso dürfen sich das Rekursgericht und das Bundesgericht mit den Rot-Weissen befassen. Nicht einklagbar ist der Vernunfts-Grad des Fussballpräsidenten: Moralisch Recht haben ist manchmal wertvoller, als sich ein Recht erstritten zu haben. Es gab den Punkt, an dem CC das Spannen des Bogens als Sieger hätte seinlassen können. Nun hat er ihn überspannt.

     

    Papier

     

    Aufenthaltsgenehmigungen werden in der Schweiz in Papierform ausgestellt. Wer sie hat, darf bleiben und allenfalls auch arbeiten. Wer sie nicht hat, muss gehen und hat dann ein Problem, wenn er hier noch Arbeit hat. So wie Bulat Tschagajew und sein Adlatus Islam Satujew. Die Xamax-Tschetschenen haben mit ihrem Argument, die Betreuung des Clubs sei eine Vollzeitstelle, nur indirekt recht. Vollstellen braucht es für das Dossier Xamax allerdings eher bei der Swiss Football League und bei der Staatsanwaltschaft in Neuenburg und Genf.

     

    Stahl

     

    Sollten die Staatsanwaltschaften in Neuenburg und Genf ihre Arbeit in obiger Sache erfolgreich zu Ende führen, droht Bulat Tschagajew die Festsetzung hinter Stahl-Schloss und Stahl-Riegel.

     

    Schnee

     

    Noch eine Runde bis zur Winterpause. Spielt Xamax gegen den FC Basel ein letztes Mal in dieser Saison? Gibt es ein Neunerfeld im Frühling? Wir werden es bald wissen – und wir fürchten, dass Xamax bald Schnee von gestern sein wird. So wie der Schnee selbst auch…

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